Verbrennen Ihre Weiterbildungen nur Kohle

Portrait zur Vita Christoph Maria Michalski fotografiert von Hergen Schimpf

 – oder bewegen sie wirklich etwas?

In vielen Unternehmen ist es immer noch die gleiche Leier: Egal, wo der Schuh drückt – ein Seminar gilt als Allheilmittel.



Ganz gleich, ob der Vertrieb nicht ordentlich performt, der Kundenservice besser sein könnte oder die Mitarbeiter sich eher rudimentär an die vorgegebenen Leitlinien halten. Die HR sucht einen Anbieter aus, es wird ein zweitägiges Seminar anberaumt, im Nachgang erhalten die Teilnehmer noch die PowerPoint-Folien – und alles ist eitel Sonnenschein. Oder etwa nicht?

Schluss mit Druckbetankung!

Ich bin seit gut 35 Jahren in der Weiterbildungsbranche tätig, zehn davon als selbstständiger Trainer und Berater. Ich würde behaupten, dass ich weiß, wie der Hase läuft. Bevor ich mich auf Konfliktmanagement spezialisiert habe, habe ich selbst unzählige Seminarreihen durchgeführt. Präsentationstrainings, Seminare zu den Themen Argumentation, Führung, Empathie … Aber irgendwann habe ich mir eine Frage gestellt: Können die Teilnehmer eigentlich überhaupt was davon umsetzen? Wenn wir von dem klassischen Modell „“2-Tage-Druckbetankung“ in Frontalunterrichtform ausgehen – eher nicht. Selbst die Teilnehmer nicht, die die schiere Masse an Stoff noch irgendwie verarbeitet bekommen und nicht sofort abgeschaltet haben. Denn wie heißt es so schön: „Kennen bedeutet nicht automatisch können.“ Es reicht nicht, bloß das Wissen über den Mitarbeitern auszukippen! Spätestens nach zwei Wochen ist im stressigen Arbeitsalltag alles vergessen und es wird wieder nach Schema F gehandelt. Aus meiner Sicht ist die Sache klar: Wir müssen den Leuten nicht nur vortanzen – sondern ihnen auch zeigen, wie sie die Schritte in ihre eigene Business-Choreographie einbauen und umsetzen können.

Die Erkenntnis ist an sich gesehen nicht neu. Erinnern Sie sich an den Aufschrei, den das Buch „Die Weiterbildungslüge“ von Dr. Richard Gris verursacht hat? Das war 2008. Viel geändert hat sich trotzdem nichts. Weil vor allem in den Unternehmen ein Umdenken stattfinden muss! Hier wird immer noch viel zu skeptisch auf moderne Konzepte wie Blended Learning und Co. geblickt. Langfristige Lernprozesse, die über mehrere Monate hinweg ablaufen, werden als zu teuer und nicht durchführbar abgestempelt. Schließlich hätten ja alle viel zu tun und an zwei Tagen Seminar würde schon genug Arbeit liegen bleiben. Das ist, mit Verlaub gesagt, zu kurz gedacht.

Lernerfolg: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Wie gehen Sie damit um, wenn für viel Geld eine neue Maschine oder Software angeschafft wurde? Die Kennzahlen werden beobachtet, alles wird auf Herz und Nieren geprüft – und sobald nur eine Komponente nicht so funktioniert, wie sie soll, wird Alarm gemacht. Eigentlich logisch. Aber warum wird dann nicht nach dem gleichen System gecheckt, wie effektiv die Investition in die Weiterbildung der Mitarbeiter war? Immerhin wurden hier auch viel Zeit und Geld in die Organisation und die Durchführung gesteckt. Und damit meine ich keinen schnöden Befragungsbogen. Die sind zwar nett – mehr als das Büro tapezieren kann man sich damit jedoch auch nicht. Fühlen Sie den Mitarbeitern auf den Zahn, spielen Sie mit ihnen Situationen durch, gehen Sie mit zum Kundengespräch. Kurz gesagt: Überlegen Sie sich eine sinnvolle Erfolgskontrolle! Nicht nur, um die Ausgaben zu rechtfertigen – sondern auch, um Ihre Mitarbeiter zu motivieren und den Lernerfolg erlebbar zu machen.

Und apropos Lernerfolg: Auch das ist nicht der neuste Schrei. Schon 1959 entwickelte der Amerikaner Donald Kirkpatrick ein vierstufiges Modell, das folgende Faktoren berücksichtigt: reaction, learning, behavior, results – zu Deutsch Zufriedenheit, Lernen, Verhalten und Ergebnisse. Eines der wichtigsten Erkenntnisse aus seinen Untersuchungen: Zufriedene Teilnehmer haben nicht unbedingt etwas gelernt, was zu einer Verhaltensänderung im Berufsalltag führt und somit in einer gesteigerten Performance resultiert. Merken Sie etwas? Genau deswegen werden doch Weiterbildungen eigentlich durchgeführt. Lassen Sie sich also nicht von begeisterten Stimmen und guten Bewertungen blenden – sondern setzen Sie auf eine sinnvolle Erfolgskontrolle und ggf. in der Folge auf passgenauere, effizientere Weiterbildungen.

Noch nicht genug? Ein Video zum Thema gibt es auf meinem Kanal Konfliktmanagement TV!

Verwandte im Geiste: Wie Konflikte, Kreativität und Innovationen zusammenhängen

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Konflikte, Kreativität und Innovation, das passt nicht zusammen? Dann schauen Sie nochmal genauer hin. Denn Konflikte bedeuten nicht immer nur Streit, endlose Diskussionen und festgefahrene Standpunkte.



Konflikte, Kreativität und Innovation, das passt nicht zusammen? Dann schauen Sie nochmal genauer hin. Denn Konflikte bedeuten nicht immer nur Streit, endlose Diskussionen und festgefahrene Standpunkte. Vielmehr haben Konflikte das Potenzial, zum Geburtshelfer von kreativen Ideen und großartigen Innovationen zu werden. Vorausgesetzt, Sie stellen sich dem Konflikt, wollen den Status Quo verändern und arbeiten systematisch an einer Lösung. Konflikte sind so alt wie die Menschheit. Denken Sie mal an Adam, Eva und die Geschichte mit dem Apfel und der Schlange. Voilà, das ist er, der Urkonflikt. Aus kirchlicher Sicht ist das Ganze natürlich nicht so toll gelaufen, da mit dem Vergehen Evas die Sünde über die Menschen kam. Unangenehme Folge: Die Ausweisung aus dem Paradies. Rein logisch betrachtet, hat diese Entwicklung aber auch seine gute Seite, nämlich Innovation! Hätte Eva sich nicht getraut und wäre das Risiko nicht eingegangen, würden wir vielleicht immer noch mit Feigblättern bekleidet im Garten Eden sitzen. Könnte nett sein – wir hätten aber garantiert eine Menge tolle Dinge verpasst.

Im Schmerz geboren

Was Konflikte und Innovationen gemeinsam haben: Ihr Start- und Zielpunkt sind Leiden. Am Anfang steht Unzufriedenheit mit dem Status Quo – und am Ende idealerweise eine Lösung, die das Leiden lindert. Wenn Thomas Alva Edison die funzelige Gaslaterne nicht gestört hätte, gäbe es heute keine elektrischen Leuchtmittel. Wenn der Koffer zum Tragen nicht zu schwer geworden wäre, gäbe es keine Koffer-Trolleys. Also entsteigt Kreativität letztendlich einem Konflikt. Gleichzeitig beschwört Kreativität aber auch Konflikte herauf, wie sich etwa ganz aktuell in der Automobilindustrie abzeichnet: Der Motor eines Elektroautos besteht aus gerade mal 170 Teilen, während für die kraftstoffbetriebene Variante sage und schreibe 1.200 einzelne Bauteile benötigt werden. Die Folgen für die Zulieferindustrie werden eklatant sein und wiederum gesellschaftliche Veränderungen heraufbeschwören. Innovation bedeutet, die alte Haut abzustreifen und hinter sich zu lassen, wie beim Häuten der Schlange.

Ideen statt Material

Kreativität bedeutet für mich vor allem, Vorhandenes neu zu kombinieren. Das benötigt Wissen, Handwerk und künstlerisches Fühlen. So hat es Edison getan – und trotz Fehlschlägen immer weiter probiert. Ohne eine Vorlage zu haben und ohne genau zu wissen, welches Material schlussendlich den Erfolg bringen würde. Es ist genau dieser unbändige Wille, den es braucht, um Konflikte zu lösen und dabei neue Perspektiven zu eröffnen – sei es in Form von Produkten oder auch neuen Wegen der Zusammenarbeit, Unternehmensführung und so weiter. Ich habe es übrigens selbst probiert: Ich war Zauberlehrling im magischen Zirkel von Deutschland und habe die Grundprinzipien der verschiedenen Zaubersparten gelernt und mich monatelang darin geübt. Als vollwertiges Mitglied habe ich dann angefangen, eigene Zaubereien zu erfinden – einerseits aus der Not heraus, da es keine geeigneten Materialien für meine eigenen Ideen gab. Andererseits aus Geldgründen, da man bei einem Zaubertrick immer das Know-how bezahlt, nicht die Utensilien. Und das kann einen ganz schön tiefen Griff ins Portemonnaie erfordern.

Hochprozentiges zum Schluss

Die Gemeinsamkeiten von Kreativität, Konflikt und Innovation bestehen also darin:

  • Spannungsfelder und inneren Druck auszuhalten und ein unbequemer Zeitgenosse zu sein
  • Alternativen müssen selbst erdacht und erarbeitet werden, verschiedene Szenarien werden im Kopf durchgespielt, um so zu einer angemessenen Handlung auf äußere oder innere Einflüsse zu kommen
  • Ergebnisse kommen nur über „try and error“ zustande, stufenweise im Prozess, inklusive Rückschritt und Verzweiflungsanfällen
  • Die Frage des richtigen Zeitpunkts und Timings ist elementar und entscheidend

Und denken Sie immer daran: Kreativität und Konflikte sind 1 % Inspiration und 99 % Transpiration – in Abwandlung des Zitates von besagtem Thomas Edison. Und falls Sie noch ein Alibi brauchen: „Die chemische Analyse der sogenannten dichterischen Inspiration ergibt neunundneunzig Prozent Whisky und ein Prozent Schweiß.“ – William Faulkner. Prost! Noch mehr Inspirationen rund um die Welt der Konflikte bekommen Sie auf https://www.christoph-michalski.de/, schauen Sie mal vorbei!

Konflikte sind sexy!

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Kann ein Video den Ruf ruinieren?…klares Jein!


Anfang Februar 2020 habe ich ein Musikvideo mit meinem Herzensthema veröffentlicht. Entstanden in dem coolen Format eines Kollegen: Mit einem transportablen Tonstudio und ein paar Handy-Kameras im Koffer besucht er unterschiedliche Gäste und lädt sie zu einem Experiment ein. Die Aufgabe: Innerhalb von drei Stunden etwas Musikalisches zu produzieren. Es wird nichts vorbereitet, es bestehen keine Vorab-Absprachen. Gestartet wird mit dem berühmten „weißen Blatt“.

Nach der Veröffentlichung habe ich die unterschiedlichsten Rückmeldungen erhalten. Sie reichten von „hammermäßig“ über „zu privat“ bis zu „…das kannst du als älterer Herr doch nicht machen! Was sollen deine Kunden denken!“. Interessant und ich bewege alle Meinungen in meinem Herzen.

Es ist definitiv zu sehen, wie viel Spaß wir bei der Produktion hatten und mit den ganzen technischen Herausforderungen der Pilotfolge und der Zeitbegrenzung- ein groovendes Ergebnis. War alles freiwillig und von mir freigegeben.

Ich habe den Mut, eine Seite zu zeigen, die vielleicht nicht viele kennen, im privaten Rahmen und ohne Business Rüstung; also nicht so pastoral und seriös :-).

Ja, In meinem Leben gibt es viele Widersprüchlichkeiten. Das ist ja genau meine Qualität, weil ich viel erlebt, erlitten und auch triumphiert habe- neugierig und interessiert gesegnet bin mit einigen Talenten und Mut.

Damit bin ich scheinbar eine Spiegelfläche und Projektionswand für andere. Ich zeig dann eine Facette, die bei anderen klingelt, Resonanz erzeugt und eventuell den Buzzer drückt – zack! Die Reaktion sagt mehr über den Absender aus als über mich. Interessant und ich bewege alle Meinungen in meinem Herzen.

Ein Kommunikationsmodell mit 4 Ebenen beschreibt eine davon als Selbstkundgabe: Ich sage bei jeder Kommunikation immer etwas über mich selber aus, meine Stimmung, meine innere Haltung und mein Wertesystem.

Ich habe mich dazu entschlossen, Spekulationen darüber bei mir in der Art zu begegnen, dass ich mich zeige, die verschiedenen Facetten offen lege.

Jede(r) kann entscheiden, ob der Link zum Video geklickt wird.

Auf jeden Fall lerne ich so die Menschen und Kunden kennen, die uns beiden gut tun!

P.S. Der ganze Entstehungsprozess findet sich in ca. 30 Minuten Länge bei Youtube Emanuel Koch.

Stoßen Sie sich nicht den Kopf an meinen Denkanstößen!

Glyphosat – dagegen ist (k)ein Kraut gewachsen.

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Kann ich überhaupt überzeugt werden? Der angeblichen Sachlichkeit auf der Grünspur.


Es grünt so grün, wenn…

Ich bin arbeitender Verwalter eines Grundstücks mit fast 1500 m², hauptsächlich grünes Land, also Pflanzen. Es gibt Phasen im Jahresverlauf, in den ich auf Knien rutschend Grünzeug aus den Fugen der Terrasse kratze, vom Vertikutieren zu Saisonbeginn ganz zu schweigen. Da ist die Versuchung schon groß, mithilfe von Chemie die Arbeit zu vereinfachen- draufsprühen und fertig!

Die Informationen sprießen aus den Medien…
Upps- das war doch was- Glyphosatskandal- ein Minister war genauso orientierungslos wie die Bienen, die damit in Kontakt kommen.

Eine Internetrecherche fördert einen breit gefächerten Informationswust ans Tageslicht:
Glyphosat blockiert die Produktion bestimmter Enzyme, die das Wachstum der Pflanzen organisieren; funktioniert nur in der Flora, Fauna bleibt biologisch unbehelligt. Die Substanz steht im Verdacht, wahrscheinlich krebserzeugend zu sein. Unterschiedliche Organisationen kommen zu unterschiedlichen Studienergebnissen. Beim Einsatz wird auch der Lebensraum für Insekten und anderen Kleinlebewesen zurückgedrängt.
Aber-biologischer Anbau benötigt für die Produktion von Feldfrüchten mehr als doppelt so viele Hektar wie konventioneller Ackerbau und das Unkraut muss auch mechanisch weg- dem Artenschutz steht also nur die Hälfte der Fläche zur Verfügung…

Das Fruchtfleisch hat eine harte Schale…
Angeblich sind 74 % der Deutschen bereit, höhere Lebensmittelpreise zu zahlen, wenn auf Glyphosat verzichtet werden würde. Der Anteil von Nahrungsmitteln aus Bioproduktion beträgt lediglich 5,1 %. Drei von vier Deutschen sind bereit mehr Geld auszugeben und in Wahrheit kauft nur jeder 20. Bioprodukte. Dieselbe Orientierungslosigkeit wie beim Minister und den Bienen.

Die zarte Knospe der Meinung…
Über dieses Thema debattieren bedeutet, Informationen auszutauschen und die bessere Argumentation gelten zu lassen. Dabei kommen jedoch die unterschiedlichen Wertesysteme unweigerlich ans Tageslicht. Durch diese Zutat wird eine Meinungsaufgabe emotional erschwert.

So bleibt also nur das gemeinsame Ringen um Spielregeln übrig- ein langer intensiver Prozess, der die Bereitschaft voraussetzt, die andere Einstellung zu respektieren.

Die Ernte lautet also…
Erkläre mir Deine Position und ich wiederhole diese so lange, bis Du sagst „Du hast mich verstanden!“. Dann tauschen wir die Rollen, bis Du meinen Standpunkt verstanden hast. Erst dann tauschen wir die Argumente aus und starten den Versuch zu überzeugen. Dabei achten wir beide darauf, dass der emotionale Gesprächsanteil klar gekennzeichnet ist und ohne Vorwürfe von statten geht.

Wir sollten vorher düngen…
Kommunikation kann nur funktionieren, wenn die grundsätzliche positive Bereitschaft dazu besteht.

Der erste Schritt dazu kann sein, den anderen verstehen zu WOLLEN…

Stoßen Sie sich nicht den Kopf an meinen Denkanstößen!

Byteethik- Computer und Moral!

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Wir Menschen werden moralisch nicht geprüft; unsere individuelle Entscheidung ist also kein Kriterium, um am Straßenverkehr teilzunehmen.


Die von Bundesminister Alexander Dobrindt eingesetzte Ethik-Kommission zum automatisierten Fahren hat ihren Bericht vorgelegt, in dem Leitlinien für die Programmierung automatisierter Fahrsysteme entwickelt wurden.

Vom selbstfahrenden Auto verlangen WIR, dass es moralische Entscheidungen trifft. Bei einem unvermeidbaren Unfall soll es sich entscheiden – zwischen einer Kindergartengruppe oder einer Rentnergang! Das ist das sogenannte moralische Dilemma, was schon als Trolley Phänomen oder dicker Mann Problem seit 1951 diskutiert wird: Darf der Tod von Menschen herbeigeführt werden, um das Leben von anderen Personen zu retten? Das war vor kurzem auch als heiß diskutierter Beitrag um einen Starfighter-Piloten im Fernsehen. Das Thema schneide ich auch in meinem Vortrag an.
Im Bericht gibt es da eine interessante Wortakrobatik auf Seite 16: „Entscheidungsfreiheit des Menschen bei dilemmatischen Konfliktsituationen“. Die These empfiehlt keine Selektion von Menschen, keine Verrechnung von Opfern, aber das Prinzip der Schadensminimierung. Wir Menschen werden darüber moralisch geprüft; unsere individuelle Entscheidung ist also kein Kriterium, um am Straßenverkehr teilzunehmen.

Das mündet in die Frage, ob technischer Fortschritt und gesellschaftlicher Umgang immer im Gleichschritt voranschreiten?

Ein anderer Aspekt ist die Individualität: „Ausdruck der Autonomie des Menschen ist es, auch objektiv unvernünftige Entscheidungen wie eine aggressivere Fahrhaltung oder ein Überschreiten der Richtgeschwindigkeit zu treffen. Dabei würde es dem Leitbild des mündigen Bürgers widersprechen, würde der Staat weite Teile des Lebens zum vermeintlichen Wohle des Bürgers unentrinnbar durchnormieren und abweichendes Verhalten sozialtechnisch bereits im Ansatz unterbinden wollen.“
Können wir diesen Aspekt auch einem Computer zurechnen?

Technische Entwicklungen bedeuten Konflikte, die einen gesellschaftlichen Disput in Gang setzen, der wiederum aus dem Streit der Meinungen einen gesellschaftlichen Konsens bildet, der wiederum als Orientierung für die technische Entwicklung gelten kann, der ….

Ein Beispiel für die positive Kraft von Konflikten, die über die gemeinschaftliche Diskussion zu den Spielregeln des Miteinanders verhilft.

Streiten wir uns mehr!

Stoßen Sie sich nicht den Kopf an meinen Denkanstößen!

Finanzminister im Wind

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– Was interessiert Scholz sein Geschwätz von gestern?

Es war einmal ein Bundesfinanzminister, der nach dem Rücktritt der Parteivorsitzenden Nahles vehement verkündete, keine Kandidatur für die vakante Stelle in Erwägung zu ziehen. Denn eine solche Doppelbelastung sei zeitlich überhaupt nicht zu stemmen. Anscheinend hat jedoch eine gute Fee die Lösung gefunden! Denn anders lässt sich Olaf Scholz‘ Kehrtwende um 180 Grad aktuell nicht erklären.



Der Glaubwürdigkeitskonflikt

Sicher haben Sie mitbekommen, was seit dem Auftritt bei Anne Will in den sozialen Medien und in der Presse los war. Vom „Wendehals“ Scholz ist die Rede, der sein Fähnchen nach dem Wind richtet. Wie es dazu kommt, ist eigentlich ganz logisch: Wir Menschen versuchen, in unseren Meinungen, in unserer inneren Einstellung konsistent zu bleiben. Kein Wunder – schließlich ist es energetisch viel einfacher, an dem festzuhalten, was man sich einmal zusammengebaut habe. Wir streben nach Konsistenz. Wenn jemand einen Werte- oder Meinungswandel vollzieht, hat er daher ein dickes Brett zu bohren, um diese Veränderung glaubwürdig darzulegen. Hier braucht es gute Formulierungen und vor allem Durchhaltevermögen, um andere davon zu überzeugen, dass sich die Meinung geändert hat.

Besonders wichtig: Bei vielen Menschen kommt an dieser Stelle der Begriff „Glaubwürdigkeit“ ins Spiel. Scholz stellte heraus, dass er sich der SPD gegenüber verpflichtet fühlt und in der aktuellen Situation gar nicht anders kann, als für den Vorsitz zu kandidieren, um die Partei aus der Krise zu führen. Sehr ehrenhaft, keine Frage. Allerdings hat sich unsere Zeitmessung bisher nicht verändert. Ein Tag hat immer noch 24 Stunden. Und mit seiner rhetorisch ungünstigen vorherigen Formulierung „Ich habe keine Zeit für Beides“ hat sich Scholz definitiv keinen Gefallen getan. Mit einem „Ich weiß nicht genau, wie ich das schaffen soll …“ hätte er sich zumindest eine Hintertür offengehalten, die jetzt sehr hilfreich wäre.

Das rät der Konfliktnavigator

Wir alle geraten in Konflikte, in denen wir gegebenenfalls von unserem Standpunkt abrücken (müssen). Anders lassen sich Debatten nicht lösen. Denn das grundlegende Element eines Streitgesprächs ist die Bereitschaft, die eigene Meinung zu überdenken und einen Schritt auf unser Gegenüber zuzumachen. Damit wir uns klar verstehen: Das hat weder etwas mit „Niederlage“ noch mit „Aufgeben“ oder „Einknicken“ zu tun. Den anderen dafür verhöhnen, dass er plötzlich seine Meinung ändert? Keine gute Idee. Das ist auch eine Frage des Respekts. Ich respektiere Menschen, egal welche Meinungen, Eigenheiten oder Besonderheiten sie haben. Und das gebietet mir, mein andersdenkendes Gegenüber weder zu beschimpfen noch zu verhöhnen. Selbst dann nicht, wenn ich seine Ansichten absolut nicht teilen kann, Stichwort Präsident Bolsonaro und sein Verständnis des Amazonas als „Rohstoff“. Was Sie stattdessen tun sollten: Ihrem Konfliktpartner auf charmante Weise ermöglichen und ihm auch Unterstützung dabei bieten, eine Veränderung und damit ein Nachgeben in sein System zu integrieren, ohne dass alles zusammenbricht. So wahren alle Beteiligten ihr Gesicht – und die Debatte ist vom Tisch.

Noch nicht genug? Mehr zum Thema in Bild und Ton auf Konfliktmanagement TV!

Betriebliches Gesundheitsmanagement ist mehr als Smoothies und Yogamatte

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Schrittzähler für alle Mitarbeiter, Nackenmassage einmal im Monat und gemeinsame Kochkurse? Alles nett gemeint, aber BGM ist das noch lange nicht! Mitarbeiter sind die wertvollste Ressource Ihres Unternehmens! Lesen Sie in meinem neuen Artikel, warum es daher höchste Zeit ist, eine Gesamtstrategie an den Start zu bringen, statt nur einzelne Werkzeuge in den Ring zu werfen!


Ein Obstkorb ist ein guter Anfang, bringt isoliert aber überhaupt nichts! BGM ist kein Werkzeug zur Zielerreichung, sondern bedeutet für die obere Etage auch konstantes Führungsverhalten und Vorbildfunktion. Dann läufts!

Flickenteppich statt Strategie

Gesundheit boomt aktuell in unserer Gesellschaft. Online wie offline springen uns Fitnessangebote an, die uns „krass“ machen sollen, uns in eine fittere, schlankere, gesündere und am besten noch glücklichere Version unserer Selbst verwandeln. Und in der Wirtschaft herrscht die nackte Panik: „Wir brauchen sofort ein betriebliches Gesundheitsmanagement! Sonst sind wir bei den jungen Mitarbeitern doch direkt unten durch!“ Die Folge: Es gibt plötzlich einen Obstkorb in der Kaffeeküche, Einladungen zum gemeinsamen Joggen kursieren in den Postfächern und alle zwei Wochen gibt es Freitagmorgens einen Yogakurs für alle. Schön und gut – Aber ist das wirklich BGM? Oder ist das nicht eher zu kurz gegriffen?

Ich bin u.a. Diplom-Rhythmiklehrer und zugelassener Prozessberater bei unternehmensWert:Mensch im Handlungsfeld Gesundheit. Der Maßnahmenkatalog, den ich in Firmen bisher vorfinde, beinhaltet hauptsächlich Aktionen wie die oben genannten. Und was passiert nach kurzer Zeit? Die Post-it mit der Bürogymnastik hängen müde an den Bildschirmen – und der erste Elan ist ebenso schnell verschwunden wie die neu gekauften Gymnastikbänder. Auch die Digitalisierung hat aus meiner Sicht keine großartigen Verbesserungen mit sich gebracht. Außer, dass es jetzt zusätzlich noch ein paar schöne Tools gibt wie Apps, die Schritte zählen und den täglichen Kalorienverbrauch tracken, die digitale Wasserwaage für die Rückenlehne, der Pulsmesser mit integriertem Burnout-Barometer – oder eben der Gamificationansatz mit dem „Company Olympic Gold Medallist“ als Bildschirmschoner. Das ist nett, keine Frage. Doch ohne dahinterliegende Strategie werden es immer nur vereinzelte Werkzeuge bleiben.

Konfliktmanagement

Für mich der entscheidende Konflikt hinter der ganzen Sache: Die Diskrepanz zwischen Selbstbewusstsein und Außendarstellung. Auf der einen Seite wird geklagt, dass die nötigen Unterstützungsleistungen nicht den Stellenwert im Unternehmen haben, den sie angeblich verdienen. Auf der anderen Seite findet sich aber nur eine höchst diffuse Beschreibung der Unterstützungsleistung – und das BGM wird auf die Implementierung einiger einzelner Werkzeuge eingedampft. Große Töne spucken und dann einen Rückzieher machen? Wenn schon, dann bitte richtig und mit vollem Einsatz!

Ein weiterer Haken an der Sache: Der Begriff „Betriebliche/r Gesundheitsmanager/in“ ist nicht geschützt. JEDE(R) KANN BGM! Und jeder hat seine eigene Meinung, wie BGM richtigerweise zu funktionieren hat. Die Szene wird beherrscht von Ärzten mit hohem faktischem Studienwissen und geringer Umsetzungskompetenz, athletisch biegsamen Fitnesstrainern, die noch nie ein Unternehmen von innen gesehen haben – und dann sind da noch die unvermeidlichen Mentalcoaches.

Das sagt der Konfliktnavigator

BGM ist aus meiner Sicht garantiert kein Trend, der in den nächsten Jahren wieder verfliegt. Mitarbeiter sind die wichtigste Ressource eines Unternehmens – es ist daher höchste Eisenbahn, dass sich Führungskräfte dessen bewusst werden und entsprechend handeln. Und das erfordert eine professionelle Implementierung durch alle Ebenen hindurch. Damit meine ich nicht, dass sie alles selbst umsetzen müssen. Doch sie sind gefordert, sich in ihren Unternehmen für das Thema BGM stark zu machen, den richtigen Partner für die Umsetzung ins Boot zu holen – und selbst als Vorbild voranzugehen, wenn es an die Umsetzung geht.

Das Ziel: Ein gesundes Unternehmen mit gesunden Mitarbeitern. Das funktioniert jedoch nur, wenn Eigenbild und Fremdbild auch zueinander passen. Um den Wunsch nach der gebührenden Anerkennung und Sichtbarkeit zu erfüllen, müssen folgende Thesen gelten:

  • BGM ist essentieller Bestandteil im „New Work“ Verständnisses jedes Unternehmens

• BGM benötigt ein starkes Mindset bei allen Beteiligten

• BGM traut sich, neue Standards im Unternehmen einzuführen

• BGM Marketing in der Company ist offensiv

• Führungskräfte sind die Ansprechpartner und Vorbilder

Sie sind neugierig geworden? Mehr rund um das Thema Konflikte gibt es auch auf meinem YouTube-Kanal KonfliktmanagementTV!

„Zukunft Bildung“ und Digitalisierung – träumt weiter!

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In der ARD läuft gerade die Themenwoche „Zukunft Bildung“ vom 9. bis 16. November 2019. Tolle Sache: Lernen ist wichtig, bringt uns weiter – und macht Spaß, wenn die Inhalte passend vermittelt werden. Wenn ich „Zukunft Bildung“ höre, muss ich jedoch auch unweigerlich an das Thema Digitalisierung denken. Und spüre, wie mir fast zeitgleich ein Schauer über den Rücken läuft. Denn Bildung ist momentan in Deutschland alles, aber nicht digital. Um hier wirklich in Richtung Zukunft durchzustarten, wird es höchste Zeit, endlich nicht nur über den Tellerrand zu schauen – sondern am besten auch gleich die Füße aus der lauwarmen analogen Suppe zu ziehen, in dem es sich das deutsche Bildungssystem seit Jahrzehnten bequem gemacht hat.

Völliges Chaos statt sichtbarer Fortschritt

1994 habe ich eine Fortbildung zum Medientechnikpädagogen gemacht. Die Älteren unter Ihnen werden sich erinnern – damals gab es eine politische Initiative mit dem Claim „Schulen ans Netz“. Gute Idee, keine Frage. Doch die Umsetzung war mehr als stümperhaft. Sie werden nicht glauben, was ich da alles erlebt habe: Es wurden Drucker ausgeliefert, für die es keine mit dem Betriebssystem kompatiblen Treiber gab. Router konnten auf Grund von Inkompatibilitätsproblemen nicht ans Netz gehen. Kurzfassung: riesengroße Katastrophe.

Und was tut die Politik in Sachen Bildung? Mir scheint, dass der Posten des Bildungsministers vor allem eins ist: Ein beliebtes Ressort für Macher und Durchlauferhitzer, da sich innerhalb einer Legislaturperiode bereits Erfolge vorweisen lassen. Ob diese „Errungenschaften“ die deutsche Bildungslandschaft allerdings wirklich vorangebracht haben, sei mal dahingestellt. Sicher erinnern Sie sich zum Beispiel an das ganze Gezerre um G7 oder G8 …

Lokale Lösungen statt Paragraphenreiter

Ich bin beidseitiger Lehrersohn (keine Sorge, ist nicht ansteckend …), Musikpädagoge, Diplompädagoge Erwachsenenbildung und habe lange als Geschäftsführer eines großen Bildungsträger gearbeitet. Ich bin daher so frei, mir eine gewisse Erfahrung und Sachkenntnis in Bezug auf das Thema zuzuschreiben.

Mein Vorschlag, um die Situation endlich mal merklich voranzutreiben: Wie wäre es zum Beispiel, eine „Public Private Partnership“ einzugehen? Öffentliche Einrichtungen und Privatpersonen bzw. Unternehmen schließen sich auf lokaler Ebene zusammen. Ich bin überzeugt davon, dass sich auf diese Weise wesentlich schneller und effizienter ein funktionierendes, modernes Schulsystem aufbauen ließe. Ohne, dass erst mal europaweit eine Ausschreibung gemacht werden muss, um einen Dienstleister für die Bereitstellung der Technik zu finden. Möglicherweise wäre auf diese Weise auch eine unbürokratischere und flexiblere Projektgestaltung möglich, die den Start der Digitalisierung noch vor 2025 möglich macht.

Ohne Ausprobieren geht es nicht!

Damit „digitale Bildung“ in Deutschland zur flächendeckenden Realität wird, reicht es jedoch nicht, entsprechende Finanzierungen zu tätigen. Denn die beste Technik nützt nichts, wenn angehende Lehrer an den Hochschulen immer noch mit Methoden der 70er Jahre vertraut gemacht werden! „Alte Pädagogik“ digitalisieren zu wollen, ist der absolut falsche Weg. Und nicht erst heute: Ich habe 1996 ein Internat in der Nähe von Hamm betreut. Die Lehrer waren hoch engagiert, haben versucht, moderne Technik zu integrieren – und sind an einem durch und durch analogen Lehrplan mit entsprechenden Methoden gescheitert.

Hier kann es nur eine Lösung geben: Mutig voranzuschreiben! Im Umgang mit der Digitalisierung gibt es weder in der Bildung, noch in sonst einem Lebensbereich einen „Masterplan“. Wir müssen unsere eigenen Erfahrungen machen – und sollten idealerweise branchenübergreifend kooperieren, um gemeinsam voranzukommen. Worauf warten wir noch?

Das Video zum Thema gibt es auf meine YouTube-Kanal Konfliktmanagement TV, schauen Sie vorbei!

Bits und Bytes statt Schweiß?

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Mein Vortrag über Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) im digitalen Zeitalter hat den Titel „Wann emanzipiert sich BGM von der Yogamatte und den Smoothies?“ und provoziert…


die etablierte Szene. Starten wir damit, warum ich mich darüber äußere.

Ich bin u.a. Diplom-Rhythmiklehrer, zugelassener Prozessberater bei unternehmensWert:Mensch im Handlungsfeld Gesundheit. Der Maßnahmenkatalog, den ich in Firmen bisher vorfinde, beinhaltet hauptsächlich Aktionen mit Obsttellern, Massagen, über Ergonomie und Vorsorge bis hin zur gesundheitsorientierten Kantinenverpflegung und Firmenolympiade. Die Post-it mit der Bürogymnastik hängen müde an den Bildschirmen und der erste Elan ist ebenso verschwunden wie die neu gekauften Gymnastikbänder.

Mit BGM 4.0 wird es nun digital. Als Schmankerl kommt die App dazu- der Vitamintracker, Muscle-Tension- Pilot, die digitale Wasserwaage für die Rückenlehne, BurnoutBarometer über Pulsmesser und Gamificationansatz mit dem CompanyOlympic-gold- medallist als Bildschirmschoner- zugegebener Weise teilweise selber ausgedacht und trotzdem nicht unwahrscheinlich.

Was mich an diesem Thema reizt, ist der innere Konflikt des BGM mit seinem Selbstbewusstsein und seiner Außendarstellung. Auf der einen Seite klagen, dass diese Unterstützungsleistungen nicht den Stellenwert hat, den sie angeblich verdient, auf der anderen Seite: diffuse Beschreibung der Unterstützungsleistung und Reduzierung auf einzelne Werkzeuge.
Weiterhin trifft man auf das weitverbreitete Übel, dass dieser Begriff nicht geschützt ist.

JEDE(R) KANN BGM!

Die Szene wird beherrscht von Ärzten mit hohem faktischem Studienwissen, athletisch biegsamen Fitnesstrainern und Mentalcoaches.

Gerade auch im Hinblick auf die Veränderung der Arbeit – Stichwort New Work, 4.0- ist eine professionelle Implementierung bei den Entscheidern in Unternehmen sinnvoll.

Im übertragenen Sinne gilt: gesunde Unternehmen mit gesunden Mitarbeitern.

Ersetzen Sie gesund durch stressresistent, flexibel, agil, mobil, disruptiv, vielfältig, generationsübergreifend,…
Dazu kann BGM einen entscheidenden Beitrag liefern. Funktioniert nur, wenn das Eigenbild und Fremdbild zueinander passen. Um dem Wunsch nach gebührender Anerkennung und Sichtbarkeit zu erfüllen, gelten folgende Thesen:

  • BGM ist essentieller Bestandteil auch der Neuen Arbeit
  • BGM benötigt ein starkes Mindset
  • BGM traut sich Standards einzuführen
  • BGM Marketing ist offensiv
  • Führungskräfte sind die Ansprechpartner und Vorbilder

Mein Fazit lautet: BGM ist kein Werkzeug zur Zielerreichung, sondern bedeutet Führungsverhalten und Vorbild. Dann läufts!

Die Rückmeldungen auf der Messe Kongressmesse MEiM 2017 in Paderborn waren vielfältig und zustimmend.

Stoßen Sie sich nicht den Kopf an meinen Denkanstößen!

Tag der Deutschen Einheit

Portrait zur Vita Christoph Maria Michalski fotografiert von Hergen Schimpf

-alles bloß florale Fakes?!


Morgen ist es wieder soweit: Der Tag der Deutschen Einheit jährt sich zum 29. Mal. Warum ich mich dieses Themas annehme? Weil ich es für die Zukunft unserer demokratischen Gesellschaft für unabdingbar halte, dass Teilung und Wiedervereinigung nicht in Vergessenheit geraten. Ich habe den Eindruck, dass der 3. Oktober für die Generation Z und noch Jüngere in erster Linie „nur“ noch ein willkommener arbeitsfreier Tag ist, der sich durch seine strategisch günstige Position dieses Jahr im Kalender charmanterweise zum langen Wochenende ausbauen lässt. Das halte ich, gerade mit Blick auf die aktuellen politischen Entwicklungen in den „neuen Bundesländern“, für sehr gefährlich.

Warum ausgerechnet ich glaube, über dieses Thema berichten zu können? Weil ich es selbst miterlebt habe. Als Abiturient habe ich die Willkür an den Grenzübergängen zu spüren bekommen. Auf der Reise nach Sonneberg wurde ich nach stundenlangem Warten bis auf die Unterhose gefilzt – selbst mein Rasierapparat wurde in alle Einzelteile zerlegt. Das muss man sich mal vorstellen … dagegen sind die Kontrollen an Flughäfen heute lachhaft! Am Wochenende nach der Grenzöffnung bin ich nach Berlin gefahren, da für mich klar war: Dort passiert etwas Großes. Ich wollte dabei sein, die Aufbruchsstimmung und gewissermaßen den „Wind of Change“ selbst erleben.

Ohne Kampf, dafür mit Krampf

Aus meiner Sicht ist die Wiedervereinigung Deutschlands ein historisches Ereignis von enormer Tragweite. Denn sie ist das Ergebnis einer größtenteils friedlichen Revolution. Mir ist natürlich bewusst, dass viele persönliche Schicksale eine andere Sprache sprechen. Menschen, die bei Fluchtversuchen ihr Leben gelassen haben. Familien, die auseinandergerissen wurden und Menschen, die ihre Werte verloren haben und ein Leben, wie sie es vorher kannten. Und dennoch: Im Großen und Ganzen ging es ohne großes Blutvergießen. Ohne Kampf, dafür aber mit Krampf.

Und heute? Was ist in den vergangenen 29 Jahren passiert? Ich bin in dieser Zeit häufig im ehemaligen Osten gewesen. Zuerst besuchten wir mit der Familie etwa einmal im Monat Freunde und Verwandte in Ueckermünde. Ich habe selbst mehrere Jahre in Mecklenburg-Vorpommern gelebt. Habe in Rostock und Neubrandenburg gearbeitet und konnte so die innere Zerrissenheit der Menschen selbst miterleben.

Die älteren Semester unter Ihnen werden sich bestimmt noch an die Fernsehansprache von Helmut Kohl am 1. Juli 1990 erinnern, anlässlich des Inkrafttretens der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion. Seiner Ansicht nach war es dieser Schritt, der die Chance und die Gewähr dafür böte, dass sich die Lebensbedingungen im Osten rasch und durchgreifend bessern würden. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir folgende Aussage: „Durch eine gemeinsame Anstrengung wird es uns gelingen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen schon bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt.“

Anpacken statt hinnehmen!

Sorry, aber die versprochenen „blühenden Landschaften“ haben sich eindeutig als floraler Fake herausgestellt. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht trotzdem noch Realität werden können! Ich glaube, dass wir alle etwas von der Geschwindigkeit überrannt worden sind, mit der die Wiedervereinigung auf einmal Realität wurde. Konfliktlösung bedeutet nun mal nicht, ein Pflaster zu kleben und dann ist alles wieder gut. Dinge lassen sich wieder komplettieren und in Ordnung bringen, doch dafür braucht es Mut – und Menschen, die ins Handeln kommen. Zu jammern, dass im Osten alles so schlecht ist, bringt keinen weiter. Ebenso wenig die Wahl dubioser Parteien, die eine scheinbare „Alternative“ bieten … Mein bescheidener Wunsch: Die Nörgler gehen bitte in den Keller – und die Zufriedenen machen stattdessen mal den Mund auf! Erzählt nachfolgenden Generationen, was passiert ist, wie es sich anfühlte. Und vor allem, was getan wurde, um die Kluft zu überwinden. Damit die Faust auch heute wieder zur offenen Hand wird, um ein umfassendes Miteinander möglich zu machen.

Noch nicht genug? Mein Video zum Thema können Sie hier ansehen!