Lästern ist gesund

-aber bitte in homöopathischen Dosen!


„Na dann viel Spaß … das wird garantiert nicht klappen. Beim Bruder meines Schwippschwagers hat das Wochen gedauert … ich habe gehört, dass das gar nicht so leicht ist …“ Kommen Ihnen Stimmen wie diese bekannt vor? Wer solche Freunde hat, braucht definitiv keine Feinde mehr. Warum ermutigen wir unser Gegenüber nicht zur Abwechslung mal? Doch statt eines freundlichen „Das schaffst du schon!“ gehen wir lieber sofort in den Lästermodus.

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“, heißt es schon in der Bibel – und das schließt heimliche Lästereien und abfällige Bemerkungen eigentlich aus. Eigentlich. Trotzdem ist das stille Vergnügen daran schätzungsweise so alt wie die Menschheit selbst. So spricht beispielsweise der Philosoph Sokrates von den „drei Sieben“. Was es damit auf sich hat? Bevor ein Mann Sokrates eine Geschichte erzählen konnte, wurde er mit drei Fragen gestoppt: „Ist es wahr, was Du mir erzählen möchtest? Ist es gut? Und ist es notwendig?“ Ein kluger Mann und somit gewissermaßen Erfinder des ersten Spamfilters für Gespräche! Durchgesetzt haben sich die Siebe allerdings nicht. Wenn wir ehrlich sind, wäre es sonst auch ziemlich still in Büroetagen, Cafés und an anderen sozialen Treffpunkten.

Lästern stärkt Beziehungen

Ich möchte damit auch gar nicht sagen, dass Lästern per se nur schlecht ist. Zwar ist es nicht nett – gleichzeitig hat es aber auch positive Effekte auf unsere Psyche und hilft uns, soziale Beziehungen zu pflegen. Tatsächlich belegen Studien, dass es Menschen stärker zusammenschweißt, wenn sie gemeinsam über jemanden oder etwas negative Worte verlieren. Das erklärt etwa den Zusammenhalt von Fans eines Fußballvereins, die gemeinsam gegen den Derbyrivalen pöbeln. Oder warum ein Ehepaar Stunden damit verbringen kann, über den Nachbarn herzuziehen, der seine Mülltonne mal wieder mitten in die Einfahrt stellt und seine Hecke nicht ordnungsgemäß schneidet. Lästern tut gut – auch, wenn es unsere eigene Weltsicht bestätigt und dabei hilft, ein angekratztes Ego wieder etwas aufzubauen. Die Kollegin hat die Beförderung bekommen, die eigentlich Sie verdient hätten? Schon fühlen wir uns besser, wenn der Tischnachbar zustimmt, dass besagte Kollegin sich die Gunst des Chefs sicher mit körperlichen Vorzügen erschlichen hat.

Always look on the bright side of life

Eine Studie der Technischen Universität in Georgia belegt, dass rund 15 Prozent aller E-Mails, die im beruflichen Kontext verschickt werden, Klatsch und Tratsch über Kollegen und Arbeitgeber enthalten. Und dabei wurden negative Botschaften rund dreimal so häufig verschickt wie positive. Ist also Hopfen und Malz verloren? Aus meiner Sicht nicht. Es ist, wie bei so vielen Dingen, eher eine Frage der richtigen Dosis. Ein paar Stücke Schokolade sind lecker und gut – jeden Tag mehrere Tafeln sind hingegen kontraproduktiv. Und ebenso hat Lästern seine guten Seiten. Bei übermäßigem Genuss schürt er allerdings Konflikte und verhindert unser eigenes Vorankommen. Denn indem wir z.B. der Kollegin ihren Erfolg nicht gönnen, fokussieren wir uns gleichzeitig auf unseren eigenen Misserfolg. Das muss doch nicht sein! Viel sinniger wäre, wenn wir uns stattdessen aus diesem negativen Strudel befreien. „Think positive“ ist leicht gesagt – doch genau darum geht es. Nicht umsonst heißt es im Talmud:

    • Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
    • Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
    • Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
    • Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
    • Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Falls Sie sich trotzdem bei Lästereien und negativen Gedanken ertappen: Gelegentliche Entgleisungen sind nur menschlich und vollkommen in Ordnung. Manchmal muss es einfach die Pizza sein, die gemütlich in Jogginghose auf der Couch verzehrt wird. 😉

Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen – und stoßen Sie sich nicht den Kopf an meinen Denkanstößen!

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