„Was erlaube Greta?!“:

Schämt Ihr Euch eigentlich nicht?


Aktuell wird in bester Trapattoni-Manier über Greta Thunbergs Rede vor der UN reagiert. Ob in der Presse, in den Social Media oder aus den Mündern von gestandenen, einflussreichen Männern wird plötzlich die Frage aufgeworfen, was sich diese „Göre“ denn bitte erlaube. Dass das ja alles völlig übertrieben sei. Und dass das Mädel doch lieber erst mal wieder zur Schule gehen und das Spielfeld den Erwachsenen überlassen sollte.

Aus meiner Sicht sind diese Reaktionen absolut unsäglich. Ich habe mir die Rede von Greta angesehen. Und ich kann beim besten Willen nicht meckern. Vom Inhalt ist alles klar, die Struktur ist logisch aufgebaut und ihre Argumente sind gut unterfüttert. Während sie spricht, steht ihr ins Gesicht geschrieben, was sie fühlt. Aus rhetorischer Sicht alles top. Und jetzt zeigen Sie mir mal bitte ein paar andere 16-Jährige, die überhaupt den Mut aufbringen würden, sich vor die UN zu stellen – und dann noch den Mund aufbekommen. Hut ab.

Die abwertenden Reaktionen der Menschen zeigen aus meiner Sicht vor allem eins: Unsicherheit. Den Mechanismus, den wir hier beobachten können, setzen wir selbst im Alltag gerne ein: „Sie äußern sich zu Erziehungsfragen. Haben Sie überhaupt Kinder?“ oder „Sie glauben also, dass es einen einfacheren Weg gibt. Haben Sie das selbst schon mal gemacht?“ Kurz gesagt: Wenn uns die Argumente ausgehen, setzen wir auf unser Erfahrungswissen, um den Gesprächspartner darüber zu diskreditieren. Eine fiese Taktik – doch wir greifen in Konflikten nur allzu gerne darauf zurück.

Und dennoch: Ich finde es ziemlich uncool, Greta auf diese Weise die Reife abzusprechen. Und das Verhalten sagt auch einiges über unsere Gesellschaft aus. Ein Mädchen, das Angst um die Chance ihrer Generation auf eine lebenswerte Zukunft hat und das öffentlich artikuliert, bekommt mit Aufforderungen wie „Die sollte mal zum Psychiater!“ eine verbale Ohrfeige verpasst. Gleichzeitig werden fröhlich Fakten verdreht und schöngeredet, Stichwort Erderwärmung. Und alle sind gerührt, wenn erwachsene Menschen weinen, weil zum Beispiel ihr Team Deutscher Meister geworden ist. Dann heißt es plötzlich: „Toll, dass die Männer so zu ihren Gefühlen stehen!“. Geht’s noch?

Aus meiner Sicht hat diese Greta vor allem eins: Recht.

In diesem Sinne – ich habe fertig. Stoßen Sie sich nicht an meinen Denkanstößen!

Noch nicht genug?