Ich bin kein Profi, aber ich laufe. Seit Jahren. Und wie so viele Hobbyläufer habe ich das gemacht, was sich gut anfühlt – oder besser gesagt: was sich irgendwie von selbst eingestellt hat. Fersenlauf. Schön mit der Hacke zuerst aufsetzen, Körper hinterherziehen, ein bisschen abrollen, passt schon. War bequem. Lief. Bis es irgendwann eben nicht mehr lief.
Ich wurde schneller. Wollte mehr. Und plötzlich meldeten sich Knie und Rücken zu Wort wie ungehaltene Kollegen in einem schlecht moderierten Meeting. Die Stoßbelastung beim Fersenlauf haute mir im wahrsten Sinne auf die Knochen. Also musste ich umdenken. Und umlaufen.
Schritt für Schritt – und plötzlich neu anfangen
Willkommen im Club der Mittelfußläufer! Dachte ich zumindest. Die Realität: Mein Körper fühlte sich an, als hätte ich ihn auf ein Trampolin gestellt, ohne ihn vorher zu fragen. Der erste Lauf war wie ein Meeting mit neuen Regeln, bei dem keiner so genau weiß, wann man spricht, wer zuhört und warum der Chef plötzlich barfuß ist.
Statt Leichtigkeit gab’s Muskelkater in Zonen, von denen ich vorher nicht mal wusste, dass sie existieren. Waden, Fußgewölbe, sogar die Schienbeine protestierten. Mein Laufstil fühlte sich an wie ein schlecht geprobter Tanzschritt: stockend, unbeholfen, konzentriert bis zur Griesgrämigkeit. Und vor allem: nicht schön. Spaß? War irgendwo zwischen Kilometer 2 und 3 verloren gegangen.
Und trotzdem: Ich wusste, dass es richtig ist. Dass diese Umstellung notwendig ist, wenn ich langfristig gesund, stabil und schneller laufen will. Also blieb ich dran. Und ja – langsam kommt der Spaß zurück.
Vom Laufstil zum Konfliktstil
Was hat das alles mit Konflikten zu tun? Eine ganze Menge. Denn genau so geht es vielen, die anfangen, ihr Konfliktverhalten zu verändern – etwa nach meinem System KonfliktSmS – Streiten mit System.
Erkenntnis: Das Alte hat funktioniert, irgendwie. Aber mit zunehmender Verantwortung, mehr Tempo im Arbeitsalltag oder größeren Herausforderungen fängt es an zu haken.
🔹 Immer nett sein bringt nichts.
🔹 Alles runterschlucken macht krank.
🔹 Laut werden, wenn’s kracht, löst keinen Respekt, sondern Widerstand aus.
Der klassische Fersenlauf unter den Konfliktstilen: bequem, aber auf Dauer schädlich.
Die Umstellung fühlt sich falsch an – ist aber richtig
Wenn man dann beginnt, sich auf Konflikte anders einzulassen – etwa Bedürfnisse statt Vorwürfe zu formulieren, intern und extern zu trennen oder den Streit aktiv zu starten statt abzuwarten – dann fühlt sich das erstmal seltsam an. Wie Mittelfußlaufen.
🔹 Man merkt plötzlich, wie viele „Muskelgruppen“ man vorher gar nicht genutzt hat: Selbstreflexion, Empathie, Timing.
🔹 Der Automatismus fehlt. Jeder Satz ist wie ein bewusst gesetzter Schritt.
🔹 Man denkt die ganze Zeit: „Mach ich das richtig?“
🔹 Der Spaß, die Leichtigkeit – fehlen oft zunächst.
Aber: Das ist normal. Veränderung fühlt sich am Anfang fast immer unbequem an. Und unser inneres Faultier liebt das Bekannte – selbst wenn es nicht gut tut.
Vorfußlauf? Irgendwann vielleicht – aber jetzt zählt der nächste Schritt
Ich werde in nächster Zeit kein Sprinter. Den Vorfußlauf – also die Hochgeschwindigkeitsvariante – hebe ich mir für die ganz großen Konflikte auf: Wutausbrüche in der Onlinekonferenz, Krisengespräche mit Kunden oder wenn plötzlich jemand weinend im Seminarraum steht. Aber für den Alltag reicht es völlig, vom belastenden Fersenlauf zum kraftvollen Mittelfuß zu wechseln.
Im Konfliktmanagement heißt das: nicht Perfektion, sondern Fortschritt. Kein Gandhi-Level, sondern Klarheit, Haltung, Lösung.
Dranbleiben lohnt sich – in Laufschuhen und im Leben
Nach ein paar Wochen war’s plötzlich anders: Ich merkte, wie der Lauf wieder flüssiger wurde. Wie ich mich leichter fühlte. Schneller. Kontrollierter. Und – oh Wunder – wie die Schmerzen weniger wurden. Mein Körper hatte gelernt, was der Kopf längst wusste: Diese Technik ist besser für mich.
Genauso funktioniert Veränderung im Konfliktverhalten:
✅ Anfangs braucht’s Konzentration.
✅ Dann Übung.
✅ Und irgendwann wird das Neue das Neue Normal.
Veränderung läuft selten von selbst. Aber sie läuft.
Und wenn sie mal ins Rollen kommt, dann ist man froh, dass man losgelaufen ist.
Also: Schritt für Schritt. Muskelkater inklusive. Und irgendwann – läuft’s.
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Christoph Maria Michalski
Experte bei Sat1 Frühstücksfernsehen und ARD-BRISANT
Amazon Bestseller #1 bestellen Streiten mit System: Wie du lernst, Konflikte zu lieben
Experte FOCUS online mit 5 Millionen Zugriffen
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Diplom-Rhythmiklehrer
Diplom-Pädagoge Erwachsenenbildung und
MSc in IKT-Management
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07.08.2025




