Steuerberater, Verlag, Grütze – und warum das kaum zählt

Die DAK hat es gerade nachgemessen: Das soziale Miteinander in Deutschland wird schlechter.

Der erste Reflex? Jetzt müssen die anderen aber mal was ändern.

Natürlich.

Der schwarze Steuer-Daumen

Ich habe mehr Steuerberatungsgesellschaften verschlissen als ich Finger habe. Seminarmaterialien, die nicht als Betriebsausgaben gebucht wurden — weil der Steuerberater fand, das sei nicht angemessen. Kein Anruf und keine Rückfrage. Was dabei alles durch die Lappen gegangen ist, möchte ich gar nicht beziffert wissen.

Umschlag-Fake auf der Buchmesse

Beim ersten Buch 2018 war die Leipziger Buchmesse als Veröffentlichungstermin vereinbart — oder so dachte ich. Meine Lektorin und ich haben geackert. Zwei Wochen vorher hieß es: „Nein, das ist ein Missverständnis, das hatten wir nie geplant.“ Die Fotos von der Buchvorstellung auf der Messe zeigen seitdem nur Attrappen.

Der Agent, der Verlag und das Lehrgeld

Beim aktuellen Buch noch besser. Erst ein Agent mit 80 % Spiegel-Bestseller-Quote — das stimmt wirklich. Nach einem Jahr „Recherche“: kein Markt vorhanden und Honorar behält er trotzdem ein. Das hat rechtliche Hilfe und einige Zeit gekostet, das zurückzuholen.

Dann ein Verlag, der einsprang. Irgendwann fing der Lektor an, mir in mein eigenes Konfliktsystem hineinzureden: Was ich jahrelang entwickelt und erprobt hatte, sei nicht richtig formuliert, falsch gedacht, falsch strukturiert. Der Gipfel: „Wenn ich das nicht verstehe, versteht das niemand.“ Ein Lektor ohne jede Expertise im Thema erklärt dem Autor, was dessen Inhalt bedeutet. Für eine Grafik, die aussah, als wäre sie in zehn Minuten hingeklatscht worden, zahlte ich auf Druck des Verlages 1.000 € — des Friedens willen.

Der Preis war vorher vertragswidrig nach oben angepasst worden — aber auch aktuellen 26,90 € sind für dieses Ergebnis eher sportlich.

Meine Mängelrüge wurde ignoriert und stattdessen kamen Nachlieferungen in derselben Qualität: Wenn ein Dachdecker schadhafte Ziegeln liefert und als Entschädigung noch mehr kaputte auf den Hof stellt. Genau mein Humor 😉.

Staubkorn, kein Einschlag

Jetzt mal Hand aufs Herz. Was ist passiert? Mein Traum, von dem ich nicht wusste, ob er je in Erfüllung geht, ist geplatzt. Schlimm? Ich bin gesund und habe ein soziales Umfeld, eine Wohnung, kann Heizen und Essen, was ich will. Altersarmut wird mich nicht treffen. Das hier ist ein winziger Punkt auf meiner Lebenslinie — kein Einschlag, ein Staubkorn.

Und wenn ich ehrlich bin, ärgere ich mich vor allem über mich selbst. Dass ich nicht früher hingeschaut habe. Dass ich Dinge laufen ließ, die ich hätte stoppen sollen.

Das ist unbequemer als der Gedanke, dass die anderen schuld sind. Aber es ist nützlicher.

Was das mit der DAK-Studie zu tun hat

Wer mit sich selbst halbwegs im Reinen ist, wer gelernt hat, „die Kirche im Dorf zu lassen“, der strahlt das aus. Nicht bewusst. Es passiert einfach — und das Umfeld spürt es.

Wenn jeder damit anfinge, bei sich selbst zu schauen, was echte Katastrophe ist und was nur Ärger mit Begleitmusik: Dann kämen wir dem DAK-Problem näher als mit jedem Appell an die anderen.

Und wenn sich dann noch Menschen zusammenfinden, die eine gemeinsame Idee haben, wie Gesellschaft aussehen soll — und die bereit sind, sie mit redlichen Mitteln durchzusetzen —, dann sind wir auf dem richtigen Weg.

Damit das nicht wie eine Sonntagspredigt klingt: einfach nur “Schönen Sonntag“.

Wer wissen will, wie man Verträge so aufsetzt, dass solche Geschichten erst gar nicht entstehen — gerne melden. Für die Frage, wie man glücklich wird, bin ich nicht zuständig.