Jamel, ein kleines Dorf in Mecklenburg-Vorpommern, steht seit Jahren sinnbildlich dafür, wie sich rechtsextreme Milieus in den Alltag drängen können: einschüchternde Symbolik, gezielte Provokationen, Druck auf Nachbarn – ein Klima, das viele leise macht.
Mitten darin halten Birgit und Horst Lohmeyer dagegen: Ihr Festival „Jamel rockt den Förster“ am 22.- 23. August 2025 schafft wie jedes Jahr einen geschützten Raum für Respekt, Musik und Sichtbarkeit. Es geht nicht um Romantik, sondern um Sicherheit im unmittelbaren Umfeld – für Gäste, für Nachbarn, für das Dorf.
Dass namhafte Musiker aufgetreten sind, ist mehr als Kultur – es ist ein sichtbares Bekenntnis, das Angstzonen schrumpfen lässt: von Die Toten Hosen, Die Ärzte und Herbert Grönemeyer über Die Fantastischen Vier und Kraftklub bis Deichkind und Marteria.
Genau das ist die Botschaft: Wenn Öffentlichkeit entsteht, schrumpft die Angstzone.
Der Aachener Friedenspreis 2025 würdigt diese Ausdauer – und erinnert uns alle, dass demokratische Normalität nur dort wächst, wo Menschen konkret handeln.
Worum geht’s hier eigentlich – um ein Festival oder um Haltung?
Um Haltung, die Musik macht. Birgit und Horst Lohmeyer setzen seit Jahren einen Kontrapunkt in Jamel: „Jamel rockt den Förster“ ist kein Sommerspaß, sondern ein Signalfeuer. Zwei Menschen stellen sich hin und sagen: „Hier gilt Respekt.“ Punkt.
In einer Welt, in der Algorithmen unsere Aufmerksamkeit zerhacken, ist das fast altmodisch. Genau deshalb wirkt es. Das Festival schafft Nähe, wo sonst Distanz regiert – nicht digital, sondern auf dem Dorfplatz, mit Blickkontakt und echtem Handschlag.
Was zahlen die beiden dafür – und warum bleiben sie trotzdem?
Sie zahlen mit Nervenkraft, Sachschäden, Angstmomenten. Das ist kein Theaterdonner. Da brennt eine Scheune, da knallen Raketen, da brüllen Leute Parolen. Und die beiden bleiben.
Nicht, weil sie Angst nicht kennen, sondern weil sie ihr einen Rahmen geben. Sie geben dem Guten eine Adresse. Wer bleibt, gibt anderen Mut zum Dableiben. So entsteht ein Gürtel aus Verbündeten.
Mut ist hier kein Selfie, sondern eine tägliche, manchmal müde, immer wieder entschiedene Bewegung: weiter.
Warum fällt Zivilcourage so schwer – gerade jetzt, wo Technik alles „leichter“ macht?
Weil Technik Verantwortung entkoppelt. Wir tracken, liken, forwarden – und fühlen uns beteiligt. In Echtzeit. Nur: Beteiligung ist nicht dasselbe wie Beteiligung. Im echten Moment fragt niemand nach einem Emoji. Da zählen Sekunden, Stimme, Blick.
Außerdem: Wenn viele zuschauen, wartet jeder auf „die Anderen“. Und wenn Situationen unklar sind, sucht unser Kopf erst nach Beweisen, statt nach Worten.
Kurz: Wir sind nicht feige, wir sind überfordert. Deshalb braucht es einfache, lernbare Erstreaktionen.
„Das betrifft mich nicht“ – warum denken das so viele?
Weil Distanz beruhigt. Unsere Timeline liefert uns täglich Probleme aus aller Welt – bequem auf dem Sofa. Das macht die Missstände groß und uns selbst klein.
Im Alltag hilft dann ein Trick: Wir reden uns ein, das sei ein Spezialfall „dort draußen“. Das schützt das eigene Nervensystem – und lässt die Lage vor Ort kippen.
Die Lohmeyers drehen diese Logik um: Sie holen das Thema auf Gehweg-Niveau. Wenn es mich betrifft, kann ich handeln. Nähe schlägt Ohnmacht.
Wie wird aus guter Absicht echte Hilfe – ohne sich selbst zu gefährden?
Mit einfachen Tipps, die auch im Stress abrufbar sind:
- Hinschauen. Nicht wegdrehen, kurz atmen, stabil stehen.
- Ansprechen. „Stopp. So nicht.“ – leise, klar, wiederholbar.
- Personalisieren. „Sie mit der blauen Jacke: Bitte die 110 wählen.“
- Verbünden. „Kommen Sie kurz zu mir, wir bleiben hier zu zweit.“
- Dokumentieren & melden. Fakten sichern, keine Show.
Das klingt schlicht. Genau das ist die Stärke. Kleine Sätze sind belastbar. Große Reden brechen unter Druck.
Was heißt das für Unternehmen, Verwaltungen, Nachbarschaften – ab morgen früh?
Machen Sie Haltung bedienbar wie einen Lichtschalter:
- Gebrauchsanweisung auf einer Seite. Wer tut was in welchen Situationen – mit Rufnummern und Standardsätzen.
- Sichere Wege. Anonyme Meldestellen, klare Nachsorge, kein Karriere-Malus für Courage.
- Mikro-Trainings. 15 Minuten pro Monat: Szenario, Satz, Rolle – fertig.
- Verbündete vernetzen. Betriebsrat, Stadt, Verein, Kultur. Kein Sololauf.
- Erfolge zeigen. „Mut-Momente“ sichtbar machen – nicht als Heldengalerie, sondern als Normalfall.
- Tech als Hebel, nicht als Ausrede. Notruf-App? Ja. Meldetool? Ja. Aber am Ende braucht es Menschen, die hingehen.
Wir rasen technisch nach vorn – aber menschliche Sicherheit entsteht nur offline, im Quadratmeter vor unseren Füßen.
Die Lohmeyers erinnern uns daran. Mut ist kein akkubetriebenes Gadget. Er ist Handarbeit.
Und genau diese Handarbeit hält unsere Gesellschaft zusammen, wenn die Timeline wieder mal auseinanderdriftet.
_______________________________________________________________________
Christoph Maria Michalski
Experte bei Sat1 Frühstücksfernsehen und ARD-BRISANT
Amazon Bestseller #1 bestellen Streiten mit System: Wie du lernst, Konflikte zu lieben
Experte FOCUS online mit 5 Millionen Zugriffen
Interview WDR Redezeit- Neugier genügt
Diplom-Rhythmiklehrer
Diplom-Pädagoge Erwachsenenbildung und
MSc in IKT-Management
Kurzvita
Barkhausener Str. 97
49328 Melle bei Osnabrück
Berater mit einer virtuellen Tour HIER
22.08.2025




