Glyphosat-Keule oder Bio-Luxus?

Alles eine Frage von Werten und Argumenten


Erinnern Sie sich noch an den Aufschrei, der 2017 durch die Medien ging? Vor ziemlich genau zwei Jahren stimmten 18 der 28 EU-Mitgliedsstaaten zu, die Zulassung des Unkrautvernichters Glyphosat um weitere fünf Jahre zu verlängern. Gerade mal knapp mehr als die Hälfte, aber so ist das mit der Demokratie: Mehrheit ist Mehrheit und diskussionswürdige Themen werden nach klaren Spielregeln beigelegt.

Inzwischen ist es wieder etwas ruhiger geworden, doch in drei Jahren wird das Thema wieder auf den Tisch kommen. Bis dahin schwelt der Konflikt mehr oder minder vor sich hin – zumindest in Deutschland. Anders sieht es auf der anderen Seite des großen Teichs aus: In den USA wird Bayer bereits in Grund und Boden geklagt von Menschen, die Glyphosat für ihre Krebserkrankung verantwortlich machen. Unglückliche Einzelfälle oder klarer Zusammenhang, der zum Umdenken anregen sollte? Fakt ist: Auch, wenn Glyphosat im Verdacht steht, krebserregend zu sein, ist es immer noch das am häufigsten eingesetzte Pestizid weltweit. Warum? Vor allem, weil es praktisch ist.

Arbeitserleichterung oder Umweltsünde?

Ich bin selbst arbeitender Verwalter eines Grundstücks mit fast 1500 m², hauptsächlich grünes Land, also Pflanzen. Somit gibt es bei mir zwangsläufig Phasen im Jahresverlauf, in denen ich auf Knien rutschend Grünzeug aus den Fugen der Terrasse kratze, Unkraut zupfe – vom Vertikutieren zu Saisonbeginn ganz zu schweigen. Da ist die Versuchung schon groß, mithilfe von Chemie den Turbo einzulegen. Einfach draufsprühen und fertig!

Dass hier Fronten aufeinanderprallen, ist nicht zu verhindern: Auf der einen Seite Landwirte, die sich ihre harte Arbeit erleichtern wollen – auf der anderen Seite Menschen, die für den Schutz der Umwelt eintreten. Denn neben dem Krebsverdacht sorgt das Mittel auch dafür, dass durch die Unkraut- und Wildpflanzenvernichtung der natürliche Lebensraum für Insekten und andere Kleinlebewesen zurückgedrängt wird. Ein Konflikt, der nicht mal eben so beizulegen ist. Auf den ersten Blick haben wir es hier mit einer Debatte zu tun. Beide Seiten haben ihre Argumente. Ob es jedoch wirklich möglich sein wird, das Gegenüber durch Informationsaustausch und Argumentation zu überzeugen, ist fraglich. Denn hier geht es nicht nur um nackte Fakten, es kommen auch die unterschiedlichen Wertesysteme ans Tageslicht. Durch diese Zutat wird eine Meinungsaufgabe emotional unweigerlich erschwert. So bleibt also nur das gemeinsame Ringen um Spielregeln übrig – ein langer und intensiver Prozess, der die Bereitschaft voraussetzt, die andere Einstellung zumindest zu respektieren.

Was wiegt schwerer – Argumente, Werte oder die Marktwirtschaft?

Auf den ersten Blick mag die Entscheidung für den nach außen umweltbewussten Großstädter einfach sein: Weg mit dem Teufelszeug! Was es jedoch zu bedenken gilt: Der biologische Anbau benötigt für die Produktion von Feldfrüchten mehr als doppelt so viele Hektar wie der konventionelle, chemieunterstützte Ackerbau. Und das Unkraut muss auch irgendwie weg – per Hand oder neuer Maschine? Sie sehen, diese Argumentationsstrategie ist noch nicht wirklich ausgeklügelt. Zumal das Ganze eine ordentliche Summe kostet. Zwar sind angeblich 74 % der Deutschen bereit, höhere Lebensmittelpreise zu zahlen, wenn auf Glyphosat verzichtet werden würde. Die Realität zeigt jedoch ein anderes Bild: Der Anteil von Nahrungsmitteln aus Bioproduktion beträgt lediglich 5,1 %. Drei von vier Deutschen sind bereit mehr Geld auszugeben – in Wahrheit kauft aber nur jeder 20. Bioprodukte. Weil der Griff ins eigene Portemonnaie dann doch schwerer wiegt als die nach außen getragenen Werte. Sie wissen schon: Jeder ist sich selbst der nächste.

Was heißt das nun für den Glyphosat-Konflikt?

Kommunikation zwischen den beiden Fronten kann nur funktionieren, wenn überhaupt eine grundsätzliche positive Bereitschaft dazu besteht. Der erste Schritt dazu kann sein, den anderen verstehen zu WOLLEN. Dann geht es ans Eingemachte. Wichtig ist darauf zu achten, dass die Emotionen sich nicht verselbstständigen und Vorwürfe die Überhand über eine sachliche Argumentation gewinnen.

In diesem Sinne: Stoßen Sie sich nicht den Kopf an meinen Denkanstößen!

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