Ist der Fall Petzold über Macht, Angst und Kritikkultur im Sport eine Blaupause in Unternehmen?
Mein erster Gedanke: Das darf doch nicht wahr sein. Mein zweiter: Moment mal – wie machen wir es eigentlich selbst?
Bevor wir also mit dem Finger auf andere zeigen, lohnt sich der Blick ins eigene Haus. Wie steht es um die Kritikkultur im eigenen Unternehmen?
Wird der Kritiker belohnt – oder aussortiert?
Viele Unternehmen sprechen gern von Offenheit. Von Feedback. Von Transparenz.
Aber was passiert, wenn jemand tatsächlich widerspricht? Wenn jemand sagt: „So wie wir das machen, funktioniert es nicht.“
Wird diese Person ernst genommen – oder innerlich schon abgestempelt? Als schwierig. Als Querulant. Als jemand, der „nicht ganz ins Team passt“.
Hier entscheidet sich, wie stabil Führung wirklich ist. Widerspruch ist kein Angriff. Er ist ein Stresstest für die Kultur. Und genau da wird es häufig eng.
Herrscht wirklich ein angstfreies Klima?
Angstfreie Kultur steht in vielen Leitbildern. In der Praxis zeigt sie sich anders.
Sie zeigt sich daran, ob in Meetings unterschiedliche Meinungen auftauchen. Ob auch junge Mitarbeitende widersprechen. Ob Probleme früh benannt werden – oder erst dann, wenn sie nicht mehr zu übersehen sind.
Wenn Kritik negative Folgen hat, lernt das System schnell. Dann wird geschwiegen. Nicht aus Zustimmung, sondern aus Selbstschutz.
Probleme verschwinden dadurch nicht. Sie verlagern sich. Und werden teurer.
Helfen unsere Feedback-Systeme wirklich?
Mitarbeitergespräche. Feedback-Tools. Fehlerkultur-Workshops. Alles sauber strukturiert. Alles ordentlich dokumentiert.
Nur: Echte Kritik kommt selten geschniegelt daher. Sie beginnt oft unsauber. Mit einem Halbsatz wie:
„Irgendwas läuft hier komisch!“
Wenn in diesem Moment sofort Prozesse wichtiger sind als Zuhören, dann erstickt man genau das, was man angeblich fördern will.
Zu viel Struktur kann Distanz schaffen. Wer Kritik äußert, braucht kein Formular. Er braucht ein Gegenüber, das neugierig bleibt.
Sind Führungskräfte dafür gerüstet?
Ein Satz wie „Das läuft aber komisch“ ist kein Affront. Er ist ein Hinweis.
Die Frage ist: Was passiert dann?
Wird erklärt, warum alles richtig läuft? Oder wird gefragt: „Was genau meinst du?“ „Wo hakt es?“ „Was würdest du anders machen?“
In diesen Fragen steckt Entwicklung.
Wer sie stellt, gewinnt Ideen. Wer sie nicht stellt, gewinnt Ruhe – und verliert Potenzial.
???
Viele Unternehmen haben kein Innovationsproblem. Sie haben ein Widerspruchsproblem.
Sie wollen Engagement – aber bitte ohne Reibung. Sie wünschen sich Verantwortung – aber nur innerhalb klarer Komfortzonen.
Kritik ist jedoch kein Störgeräusch. Sie ist ein Hinweis auf Verbesserung. Wer sie klein macht, macht auch die Organisation kleiner.
Vielleicht ist der Sport nur ein besonders sichtbares Beispiel. Die eigentliche Frage bleibt:
Wie gehen wir mit dem Menschen um, der den Mut hat, etwas Unbequemes auszusprechen?
Wenn Wertschätzung mehr sein soll als ein Schlagwort, dann zeigt sie sich genau dort.
Nicht beim Applaus. Sondern beim Widerspruch.
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Christoph Maria Michalski
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03.03.2026




