Ich mag staatstragende Reden. Wirklich. Nur sollten sie auch die Menschen tragen, die da draußen sitzen. Die Kritik an der Neujahrsansprache zielt auf einen Punkt: Sprache schafft Nähe – oder Distanz. In meiner übersetzten Neujahrsansprache zeige ich deshalb eine alternative Fassung: gleiche Themen, aber weniger Polit-Vokabeln, mehr Klarheit, mehr Alltag, mehr „Ich rede mit Ihnen – nicht über Sie“. Und natürlich ohne parteipolitische Rücksichtnahme und Gehstock im Rücken ;-):
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
zum Jahreswechsel schauen viele von Ihnen nicht zuerst auf große Politik. Sie schauen auf das, was im Alltag zählt: Was kostet das Leben? Was bleibt am Monatsende? Wie sicher ist der Arbeitsplatz? Und was wird aus den Kindern? Genau diese Fragen sind berechtigt. Und sie verdienen klare Antworten.
2025 war für viele kein leichtes Jahr. Es gab Erfolge, ja. Aber es gab auch Rückschläge, Unsicherheit und Streit. Und ich sage Ihnen offen: Politik hat dabei zu oft so gesprochen, dass es korrekt klang – aber nicht nach Leben. Zu viele abstrakte Begriffe, die man erst übersetzen muss. Das darf nicht so bleiben.
Wir leben in einer Zeit, in der sich vieles gleichzeitig verschiebt. In Europa herrscht Krieg. Das ist nicht „weit weg“. Das betrifft auch uns – durch Bedrohungen, durch Angriffe im Netz, durch Spionage und Sabotage. Wir lassen uns davon nicht einschüchtern. Wir sorgen dafür, dass Deutschland ein sicheres Land bleibt. Nicht mit großen Worten, sondern mit verlässlichen Entscheidungen. Wir stärken unsere Verteidigung, damit Frieden geschützt wird. Wir wollen uns verteidigen können, damit wir uns nicht verteidigen müssen.
Gleichzeitig steht unsere Wirtschaft unter Druck. Viele Betriebe kämpfen nicht gegen irgendeinen abstrakten Weltmarkt, sondern gegen hohe Kosten, zu viel Bürokratie und zu langsame Verfahren. Und viele Beschäftigte fragen sich, warum sich Arbeit manchmal wie ein Dauerlauf anfühlt, bei dem am Ende trotzdem die Luft knapp wird. Darum entlasten wir: bei Steuern, bei Energiepreisen, bei Bürokratie. Das heißt ganz konkret: weniger Papier, schnellere Entscheidungen, mehr Planungssicherheit – damit Investitionen hier passieren und Jobs hier bleiben.
Auch in der Weltwirtschaft wird wieder härter gespielt. Handel wird zur Waffe, Rohstoffe werden als Druckmittel benutzt. Das klingt groß, hat aber einen sehr einfachen Kern: Wir dürfen nicht abhängig werden. Deshalb stärken wir Europa dort, wo es uns schützt – bei Sicherheit, bei Wohlstand, bei fairen Regeln. Europa ist kein Wohlfühlprojekt. Europa ist unser Schutzraum.
Ein besonders sensibles Thema ist Migration. Ich spreche darüber ohne Schnörkel: Wenn der Eindruck entsteht, Regeln gelten nicht, wird ein Land unruhig. Und wenn man Sorgen nicht ansprechen darf, wird es noch unruhiger. Deshalb gilt: Humanität und Ordnung gehören zusammen. Wer Schutz braucht, bekommt ein faires Verfahren. Wer bleiben darf, soll sich integrieren können. Wer kein Bleiberecht hat, muss unser Land wieder verlassen. Klarheit hilft – auch denen, die sich hier anstrengen und dazugehören wollen.
Und dann ist da der Sozialstaat. Unsere Gesellschaft wird älter. Mehr Menschen gehen in Rente, weniger zahlen ein. Das ist keine Ideologie, das ist Mathematik. Darum reformieren wir. Wir ersetzen das Bürgergeld durch eine neue Grundsicherung und werden weitere Reformen brauchen, damit das System dauerhaft finanzierbar bleibt. Das wird Diskussionen geben. Und nicht jede Entscheidung wird bequem sein. Aber Wegsehen wäre die teuerste Option – für alle Generationen.
Ich weiß, was viele jetzt denken: „Klingt nach Anfang. Aber ich spüre es noch nicht.“ Und ich sage Ihnen: Sie haben recht. Es reicht noch nicht. Vertrauen entsteht nicht durch Ankündigungen. Vertrauen entsteht, wenn Menschen merken: Da bewegt sich etwas – in ihrem Leben, nicht nur in Berlin.
Darum verspreche ich Ihnen nicht, dass 2026 leicht wird. Ich verspreche Ihnen aber: Wir reden klarer. Wir erklären weniger in Fachsprache und übersetzen mehr in den Alltag. Und wir lassen uns messen – nicht an Absichtserklärungen, sondern an Ergebnissen. Deutschland ist kein Spielball. Unsere Hände sind nicht gebunden. Aber wir kommen nur voran, wenn Politik und Bürger wieder auf Augenhöhe miteinander sprechen.
Ich wünsche Ihnen ein gutes neues Jahr 2026. Gesundheit. Zuversicht. Und möglichst viele Tage, an denen Sie sagen können: Es geht wieder in die richtige Richtung.
Den Wortlaut der Ansprache von Bundeskanzler Merz finden Sie hier.
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Christoph Maria Michalski
Experte bei Sat1 Frühstücksfernsehen und ARD-BRISANT
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02.01.2026



