Fast jede Karriere beginnt mit einem gefährlichen Moment: dem ersten großen Erfolg.
Ein Projekt gelingt. Eine Entscheidung zahlt sich aus. Das Umfeld reagiert mit Zustimmung. Plötzlich entsteht ein Gefühl, das viele Führungskräfte kennen: Der eigene Instinkt scheint zu funktionieren.
Wer diesen Weg weitergeht, glaubt meist, sich auf dem richtigen Pfad zum Gipfel zu befinden.
Doch Psychologen haben diesem Berg einen besonderen Namen gegeben: Mount Stupid.
Der Begriff ist ironisch, beschreibt aber eine reale Entwicklung. Gemeint ist der Moment, in dem Selbstvertrauen schneller wächst als die Übersicht über Risiken.
Viele glauben, dort oben liege der Höhepunkt ihrer Karriere. Tatsächlich endet der Weg für manche an einer ganz anderen Stelle – im Jammertal der Fehlentscheidungen.
Wenn Erfolg Gewissheit erzeugt
Der amerikanische Präsident Donald Trump fordert derzeit die bedingungslose Kapitulation des Iran. Noch vor einiger Zeit hatte er seinen Wählern versprochen, keine neuen Kriege zu beginnen und stattdessen wirtschaftliche Stärke in den Mittelpunkt zu stellen.
Unabhängig von der politischen Bewertung zeigt sich darin ein Muster, das auch in Unternehmen immer wieder zu beobachten ist.
Wer mehrere Entscheidungen durchsetzt und dafür Zustimmung bekommt, entwickelt leicht das Gefühl, den richtigen Instinkt zu besitzen. Strategien wirken klarer, Risiken kleiner, Alternativen weniger relevant.
Erfolg schafft Vertrauen in den eigenen Kurs.
Und genau dieses Vertrauen kann irgendwann zur größten Schwäche werden.
Warum gerade erfolgreiche Führungskräfte gefährdet sind
Nach Erfolgen verändert sich in Organisationen häufig das Klima. Führungskräfte erhalten Bestätigung aus vielen Richtungen: von Vorgesetzten, von Teams, von Kennzahlen und Ergebnissen.
Diese Rückmeldungen sind wichtig. Sie stabilisieren Entscheidungen und stärken das Vertrauen.
Doch sie haben eine Nebenwirkung. Kritische Stimmen werden leiser. Mitarbeitende widersprechen seltener. Strategische Entscheidungen werden weniger grundsätzlich hinterfragt.
Psychologen beschreiben diesen Mechanismus im
Dunning-Kruger-Effekt.
Menschen neigen dazu, ihre Fähigkeiten besonders dann zu überschätzen, wenn erste Erfolge eintreten. Das Vertrauen wächst schneller als die Übersicht über mögliche Risiken.
Je erfolgreicher jemand wird, desto größer kann die Gefahr werden, Entwicklungen zu unterschätzen.
Die ersten Warnzeichen im Unternehmen
Der Weg auf den Mount Stupid beginnt selten spektakulär.
Meetings werden kürzer, weil Entscheidungen bereits feststehen. Strategische Diskussionen verlieren an Tiefe. Widerspruch wirkt plötzlich wie mangelnde Loyalität.
Das Unternehmen läuft scheinbar gut – und genau deshalb stellt kaum noch jemand grundlegende Fragen.
Viele Organisationen erkennen das Problem erst, wenn eine Fehlentscheidung sichtbar geworden ist: ein gescheitertes Projekt, eine falsch eingeschätzte Marktentwicklung oder eine Strategie, die zu spät korrigiert wird.
Warum Macht den Effekt verstärkt
Mit wachsender Verantwortung verändert sich auch das Umfeld.
Berater wollen Loyalität zeigen. Teams vermeiden Konflikte. Kritische Stimmen werden vorsichtiger.
So entsteht Schritt für Schritt eine Umgebung, in der Führungskräfte immer weniger echte Gegenargumente hören.
Der Aufstieg fühlt sich weiterhin wie Erfolg an. Gleichzeitig wird der Blick auf Risiken immer enger.
Die wichtigste Lektion für Führungskräfte
Der Fehler liegt nicht im Erfolg selbst. Erfolg ist notwendig, um Verantwortung zu tragen und Organisationen voranzubringen.
Gefährlich wird es erst, wenn Erfolg Zweifel ersetzt.
Viele Karrieren scheitern nicht an mangelnder Kompetenz. Sie scheitern an einem Moment der Gewissheit – an dem Punkt, an dem jemand glaubt, die eigene Strategie könne kaum noch falsch sein.
Der Mount Stupid ist deshalb kein Ort der Dummheit.
Er ist der Ort, an dem Erfolg beginnt, den Blick zu verengen.
Wann haben Sie zuletzt bewusst jemanden in Ihrem Team ermutigt, Ihrer Entscheidung zu widersprechen?
____________
KonfliktSmS – it´s simple, but not easy!
Mehr Anregungen – und eine Sichtweise, die wirkt – finden Sie in meinem Buch „𝗦𝗧𝗥𝗘𝗜𝗧𝗘𝗡 𝗠𝗜𝗧 𝗦𝗬𝗦𝗧𝗘𝗠 – 𝗪𝗶𝗲 𝗱𝘂 𝗹𝗲𝗿𝗻𝘀𝘁, 𝗞𝗼𝗻𝗳𝗹𝗶𝗸𝘁𝗲 𝘇𝘂 𝗹𝗶𝗲𝗯𝗲𝗻“.
Kontakt über senior@christoph-michalski.de.
_______________________________________________________________________
Christoph Maria Michalski
Experte bei Sat1 Frühstücksfernsehen und ARD-BRISANT
Amazon Bestseller #1 bestellen Streiten mit System: Wie du lernst, Konflikte zu lieben
Experte FOCUS online mit 14,6 Millionen Zugriffen auf 318 Artikel und Videos
Interview WDR Redezeit- Neugier genügt
Diplom-Rhythmiklehrer
Diplom-Pädagoge Erwachsenenbildung und
MSc in IKT-Management
Kurzvita
Barkhausener Str. 97
49328 Melle bei Osnabrück
Berater mit einer virtuellen Tour HIER
08.03.2026



