Tischkicker und gut ist?

Schicksalsgemeinschaft Feelgood- und Konfliktmanagement


Jedes größere Unternehmen, das etwas auf sich hält, hat einen. Die Rede ist von einem Feelgood-Manager. Aber was ist das eigentlich? „Feelgood“, das klingt nach Wohlfühlatmosphäre. Nach Waldbaden, Sauna, Yoga, gesunder Ernährung, Ruheraum … Alles wichtige Faktoren, keine Frage. Doch diese Dinge allein sind bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn nicht umfassender gedacht wird.

Für mich bedeutet das „Wohlfühlen“ vor allem, Arbeit nachhaltiger zu gestalten. Nicht nur die äußeren Rahmenbedingungen, sondern auch die inneren Strukturen. Klar ist es nett, wenn man sich nach dem veganen Mittagessen die Zeit mit den Kollegen beim Kickern vertreiben und vor der Arbeit eine Meditationssession im firmeneigenen Achtbarkeitstempel einlegen kann. Doch die Nachhaltigkeit solcher gutgemeinten Methoden ist gleich null, wenn gleichzeitig derselbe raue Wind wie immer durchs Unternehmen weht.

Mehr als eine Modeerscheinung

ird ein Feeldgood-Manager nur eingestellt, weil es gerade hip ist, kann man es auch bleiben lassen. Klar ist eine schöne Atmosphäre im Unternehmen wichtig. Doch wer als Chef ernsthaft denkt, dass damit ein Obstkorb in der Teeküche und ein Ruheraum mit kuscheligen Sesseln gemeint ist, sollte mal dringend in sich gehen. Fakt ist: Wir verbringen einen Großteil unserer wachen Lebenszeit an unserem Arbeitsplatz. Kein Wunder also, dass Mitarbeiter den Wunsch haben, sich dort auch wohlzufühlen. Damit sind jedoch keine Bespaßungsmaßnahmen gemeint, sondern in erster Linie das Arbeitsklima! Mitarbeiter haben heute auf gut Deutsch gesagt keinen Bock mehr darauf, sich für einen Arbeitgeber aufzuopfern, der nur auf den Profit schielt und dafür im übertragenen Sinne über Leichen geht. Burnout für den Umsatz? Die Mehrheit der Arbeitnehmer und insbesondere die Generationen Y und Z winken dankend ab. Sie wollen nicht nur arbeiten, sondern einen Sinn in ihrer Tätigkeit sehen und sich idealerweise dabei auch selbst gut fühlen. Völlig berechtigt, wenn Sie mich fragen. Und genau zur Lösung dieses Konflikts, der in vielen Unternehmen schwelt, braucht es ein ernsthaftes und wirkungsvolles Feelgood-Management.

Wohlfühlen in disruptiven Zeiten

Eine schöne Atmosphäre allein ist nicht mehr als ein Pflaster. Klar ist das besser als nichts – langfristige Besserung oder gar Heilung ist damit aber nicht in Aussicht. Und so neumodisch ist das Thema aus meiner Sicht auch nicht: Letztendlich ist Feelgood-Management nichts anderes als ein frischerer Begriff für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und Betriebliches Gesundheitsmanagement. Damit Feelgood-Management wirklich eine nachhaltige Wirkung haben kann, ist es unumgänglich, dass die dafür zuständigen Personen auch entsprechend in Unternehmensentscheidungen involviert werden. Idealerweise sollten Führungskräfte kontinuierlich Rücksprache halten und beraten, wie neue Beschlüsse und vor allem Veränderungen für die Mitarbeiter nachvollziehbar und emotional annehmbar gemacht werden können.

Und bitte denken Sie an den alten, aber wahren Spruch „Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“. Hört also auf, Euch die Köpfe zu zerbrechen, was Ihr Euren Mitarbeitern Gutes tun könnt – und fragt sie einfach! Gebt Menschen Budget und Gestaltungsspielräume, um ihre Vorstellungen von Wohlfühlen am Arbeitsplatz selbst zu verwirklichen. Denn Feelgood bedeutet auch, in neuen Strukturen zu denken und Veränderung zuzulassen. Nur oberflächlich angepackt, wird Feelgood-Management schnell zum Strohfeuer. Ernstgemeinte, umfassende Strukturen jedoch, die in der Unternehmenskultur verankert werden, haben das Potenzial, zu einem Feuer der Begeisterung zu werden.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen heute viel Spaß und einen guten Arbeitstag!

Noch nicht genug? Mehr gibt es in meinem Video zum Thema bei Konfliktmanagement TV!