Methoden sind Opium für TBC (Trainer/Berater/Coach)

Würden Sie auf die Idee kommen, einen Handwerker ins Haus zu lassen, dessen Reputation eine komplett professionell gefüllte Werkzeugkiste ist?


Würden Sie die Goldene Hochzeit Ihrer Eltern von einem Koch kulinarisch betreuen lassen, der Sie davon überzeugt, dass er alle hippen Kochbücher in seinem Regal stehen hat?

Warum engagieren Sie einen Trainer, der Ihnen versichert, dass er einen ganzen Koffer voller Methoden in seinem Repertoire hat? Die Kunst eines Handwerkers besteht nicht in der Handhabung von Werkzeugen, sondern diese zu nutzen, um die Kunst umzusetzen.
Ich bin aufgewachsen mit dem Satz „Wie das Werkzeug ,so die Arbeit!“. Und natürlich kann ich Höchstleistungen nur mit der perfekten Ausrüstung vollbringen.

Ich habe die Befürchtung, dass sich viele meiner Kolleginnen und Kollegen dieser Virus eingefangen haben. Gerne gestehe ich ein, dass ich anfangs meiner Selbstständigkeit auch diese Versuchung erlegen bin. Zusatzausbildungen, methodische Sammlungen und Gruppenspiele, Holzspielzeuge und andere Utensilien gesammelt, um meine methodische Kompetenz darlegen zu können. Das ist leider wie der Tanz ums goldene Kalb. Die Welt ist bunt und vielfältig und jedem Anbieter ist es natürlich vollkommen frei überlassen, sich den Methodenrucksack voll zu stopfen.

Was mich irritiert, ist, dass auf Seiten der Kunden diese Nebelbomben als Kompetenzbezeugung akzeptiert werden. Ich hab schon in verschiedenen anderen Publikationen mich als Freund von Donald Kirkpatrick geoutet, der in seinen vier Phasen- Zufriedenheit/Lernen/Verhalten/Ergebnisse- Kriterien der Erfolgskontrolle vorgeschlagen hat. Also laut doch letztendlich die entscheidende Frage von Seite des Kunden „Wie stellen Sie sicher, dass die Leute das hinterher anwenden können?“ Da kommt mir gerade der Post eines Kollegen in den Sinn, der schön gestaltet Flip Charts als Wertschätzung gegenüber den Kunden darstellt.
Wenn mir jemand die Mehrabian-Studie optisch und grafisch ansprechend als Kommunikationsgeheimnis präsentiert, kriege ich immer noch Pickel, da sich Herr Mehrabian  gegen den Missbrauch schon frühzeitig selber gewandt hat – dann nützt auch Outliner und grauer Schatten an den wohlgefälligen Piktogrammen nix.

Ich benutze relativ selten anderer Leute Sprüche oder Geschichten, weil ich selber genügend produziere – bin ja Mundwerker.
 „Kunst leitet sich von Können ab und nicht von Wollen, sonst hieße es ja Wunst.“
Dieser Aphorismus stammt vom Bühnenautor Ludwig Fulda, der 1894 unter der Überschrift »Sinngedichte« in seinem „Magazin der Literatur“ diese Zeilen ersann. Auch hier gilt korrekte Recherche dazu, denn dies Zeilen stammen nicht von Nietzsche:-).

Methoden sind Mittel zum Zweck und nie selbst Zweck. Ich weiß, Angebot und Nachfrage regeln sich und die Welt ist bunt und facettenreich und einige Sachen verstehe ich nicht. Umso wichtiger ist es, sein Handwerk klar zu umreißen und auf den Punkt zu kommunizieren.

Und da wir schon mal bei Geschichten sind:
Ein Flötenspieler hat zwanzig Jahre lang nur einen Ton gespielt. Als seine Frau ihn darauf ansprach, dass andere Flötenspieler Melodien aus unterschiedlichen Tönen zusammenstellten und dass die Musik so doch unterhaltsamer wäre, antwortete ihr Mann: „Es ist nicht mein Problem, dass ich den einen Ton, nach dem die anderen noch suchten, schon gefunden habe.“

Stoßen Sie sich nicht den Kopf an meinen Denkanstößen!