Byteethik- Computer und Moral!

Wir Menschen werden moralisch nicht geprüft; unsere individuelle Entscheidung ist also kein Kriterium, um am Straßenverkehr teilzunehmen.


Die von Bundesminister Alexander Dobrindt eingesetzte Ethik-Kommission zum automatisierten Fahren hat ihren Bericht vorgelegt, in dem Leitlinien für die Programmierung automatisierter Fahrsysteme entwickelt wurden.

Vom selbstfahrenden Auto verlangen WIR, dass es moralische Entscheidungen trifft. Bei einem unvermeidbaren Unfall soll es sich entscheiden – zwischen einer Kindergartengruppe oder einer Rentnergang! Das ist das sogenannte moralische Dilemma, was schon als Trolley Phänomen oder dicker Mann Problem seit 1951 diskutiert wird: Darf der Tod von Menschen herbeigeführt werden, um das Leben von anderen Personen zu retten? Das war vor kurzem auch als heiß diskutierter Beitrag um einen Starfighter-Piloten im Fernsehen. Das Thema schneide ich auch in meinem Vortrag an.
Im Bericht gibt es da eine interessante Wortakrobatik auf Seite 16: „Entscheidungsfreiheit des Menschen bei dilemmatischen Konfliktsituationen“. Die These empfiehlt keine Selektion von Menschen, keine Verrechnung von Opfern, aber das Prinzip der Schadensminimierung. Wir Menschen werden darüber moralisch geprüft; unsere individuelle Entscheidung ist also kein Kriterium, um am Straßenverkehr teilzunehmen.

Das mündet in die Frage, ob technischer Fortschritt und gesellschaftlicher Umgang immer im Gleichschritt voranschreiten?

Ein anderer Aspekt ist die Individualität: „Ausdruck der Autonomie des Menschen ist es, auch objektiv unvernünftige Entscheidungen wie eine aggressivere Fahrhaltung oder ein Überschreiten der Richtgeschwindigkeit zu treffen. Dabei würde es dem Leitbild des mündigen Bürgers widersprechen, würde der Staat weite Teile des Lebens zum vermeintlichen Wohle des Bürgers unentrinnbar durchnormieren und abweichendes Verhalten sozialtechnisch bereits im Ansatz unterbinden wollen.“
Können wir diesen Aspekt auch einem Computer zurechnen?

Technische Entwicklungen bedeuten Konflikte, die einen gesellschaftlichen Disput in Gang setzen, der wiederum aus dem Streit der Meinungen einen gesellschaftlichen Konsens bildet, der wiederum als Orientierung für die technische Entwicklung gelten kann, der ….

Ein Beispiel für die positive Kraft von Konflikten, die über die gemeinschaftliche Diskussion zu den Spielregeln des Miteinanders verhilft.

Streiten wir uns mehr!

Stoßen Sie sich nicht den Kopf an meinen Denkanstößen!